So 14.09. 20:00 Uhr
Sven Regener - Richard Pappik - Ekki Busch
Just Jazz

Lineup: Sven Regener, Trompete Richard Pappik, Schlagzeug Ekki Busch, Klavier

„Die Dreistigkeit des Ganzen ist vergleichbar mit Jazzmusikern, die plötzlich Pop spielen“

Sven Regener? Das ist doch der Sänger von Element Of Crime! Und Richard Pappik? Klar, der trommelt bei Element Of Crime. Hat nicht auch Ekki Busch immer mal wieder bei der Band Akkordeon gespielt? Richtig. Gemeinsam haben die drei tatsächlich ein Jazz-Album aufgenommen. Kann das gut gehen? Absolut, denn Regener Pappik Busch ist nicht etwa ein Nebenprojekt von Element Of Crime, sondern mit exakt einem Bläser die kleinste Brass Band Deutschlands.

Lange bevor Sven Regener zu einem der originellsten Songtexter und Sänger des deutschen Sprachraums wurde, spielte er bereits Trompete. Bei Element Of Crime ließ er immer wieder kleine Kostproben davon aufblitzen, aber diese Einlagen verraten nicht ansatzweise die Intensität, mit der er auf seinem Horn stetig neue Herausforderungen sucht. „Ich wollte mal wieder was auf der Trompete machen“, erinnert er sich, „denn im Rock ist sie ja eher ein Stiefkind".

Und so fand sich das Trio Regener Pappik Busch. Gemeinsam fanden die drei eine Ästhetik, bei der es überhaupt nicht um Soli, sondern ausschließlich um die Songs ging. „Die Dreistigkeit des Ganzen ist vergleichbar mit Jazzmusikern, die plötzlich Pop spielen“, freut sich Regener. Auf dem ersten Album finden sich drei Songs von John Coltrane, zwei von Thelonious Monk, dazu Stücke von Dizzy Gillespie, Billie Holiday oder Charlie Parker.

Vorbild: Lester Bowie

Zu Regeners Vorbildern auf der Trompete gehört der Amerikaner Lester Bowie, der sich mit dem Art Ensemble of Chicago und der Brass Fantasy unsterblich machte. Nicht, weil Regener sich anmaßen würde, Bowies Timbre zu kopieren, sondern weil dieser einerseits unfassbar laut und dreckig spielen konnte und zum anderen den Jazz dahin zurückführte, wo er einst herkam. Viele Jazzstandards waren ursprünglich Schlager oder Broadway- Melodien, die jeder kannte. Genau diese Unbekümmertheit, mit der Bowie diese Musik aus den Jazzclubs zurück in Parks und auf die belebten Plätze der Stadt holte, wohnt auch dem Geist der Musik dieses unwahrscheinlichen Trios inne.

Verblüffend ist auch die Ähnlichkeit zwischen Regeners Trompetensound und seiner Stimme. Mit dem für ihn typischen Hang zu Allegorien aus dem Alltag vergleicht er es mit einem Hundebesitzer und seinem Vierbeiner, die sich im Lauf der Zeit immer ähnlicher werden. „Das Tolle an der Trompete ist ja ihre Nähe zur menschlichen Stimme. Ich habe die Trompete immer als meine schönere Stimme empfunden. Die tiefe Liebe zu ihr hat mich nie verlassen, obwohl das Instrument es mir nicht immer leicht gemacht hat. Aber seit 35 Jahren habe ich die Trompete immer nur im Zusammenhang mit Songs eingesetzt. So spielt und improvisiert man am Ende eben doch eher wie ein Sänger und nicht wie ein Instrumentalist im engeren Sinne.“

Und umgekehrt stecken auch in Regeners Texten schon immer viel Jazz, ähnlich wie bei Allen Ginsberg, der sich für seine Poesie von Charlie Parker oder Bob Dylan, der sich von John Coltrane inspirieren ließ. Regeners Wort- und Gedankenketten ähneln ebenso den Improvisationen eines Jazz-Solisten wie sein Instinkt, sich gedanklich von einem thematischen Kern zu entfernen, ihn zu paraphrasierieren, um letztlich umso pointierter zu ihm zurückzufinden.

Wie immer eine verdammt gute Geschichte.

Veranstalter: Konzertbüro Schoneberg

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Ort: Saal
Einlass: 19:00 Uhr
Eintritt
VVK: 47,50

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